Prognostik
Die Behandlung in einer forensischen Klinik hat das primäre Ziel, Rückfälle in kriminelles Verhalten bei den in der Klinik untergebrachten Patienten zu verhindern (Deliktprävention). Sie unterscheidet sich damit wesentlich von den Zielen einer allgemeinpsychiatrischen Behandlung, die eine „Gesundung“ des Patienten als oberste Maxime postuliert (Krankheitsprävention).
Deliktprävention im forensischen Bereich ist untrennbar verbunden mit der Frage nach der zukünftigen „Gefährlichkeit“ eines Maßregelvollzugspatienten (Kriminalprognose). Diese Frage muss im forensischen Alltag tagtäglich beantwortet werden: bei Verlegungen auf weniger gesicherte Stationen, bei Lockerungsentscheidungen oder in Empfehlungen für die Entlassung eines Patienten.
Keine andere Fragestellung erfordert für ihre Beantwortung gleichzeitig so viel Erfahrung, Fachwissen, Sensibilität und Gründlichkeit: Fehleinschätzungen im Bereich der „Gefährlichkeit“ können nämlich zu gravierenden Konsequenzen auf verschiedensten Ebenen und für unterschiedlichste Personen führen. In der Klinik Nette-Gut gibt es deshalb seit dem Jahre 2002 eine Stabsstelle „Prognostik“, die seit 2005 mit einem Fachpsychologen für Rechtspsychologie besetzt ist. Dieser Stabsstelle sind im wesentlichen vier Aufgabenbereiche zugeordnet:
Erstens die Beratung des Ärztlichen Direktors bei wichtigen Lockerungsentscheidungen bzw. Gefährlichkeitseinschätzungen. Dies geschieht in den meisten Fällen durch die Erstellung eines entsprechenden Gutachtens, in dem auf den speziellen Einzelfall ausgerichtete Prognose-Instrumente zur Anwendung kommen.
Routinemäßig wird dabei inzwischen auch das „Forensische Operationalisierte Therapie-Risiko-Evaluations-System“ (FOTRES) eingesetzt. In Zusammenarbeit mit der Forschungsabteilung des Psychiatrisch-Psychologischen Dienstes des Kantons Zürich ist die weitere Validierung dieses Instruments an einer Stichprobe rheinland-pfälzischer Maßregelvollzugspatienten geplant.
Eine zweite wichtige Aufgabe der Stabsstelle Prognostik liegt in der wissenschaftlich fundierten Entwicklung von Instrumenten, die zur Messung und Vorhersage außergewöhnlicher Ereignisse im Maßregelvollzug dienen. Seit Ende des Jahres 2006 wurde die „Liste zur Vorhersage von Entweichungs- und Lockerungsmissbrauchstendenzen“ (LIVELT) entwickelt. Für die Zukunft ist in Zusammenarbeit mit dem Psychologisch-Psychiatrischen Dienst des Kantons Zürich eine umfangreiche Studie zur Erfassung von Lockerungs- Missbrauchs- Prädiktoren geplant.
Ein dritter wesentlicher Aufgabenbereich der Stabsstelle Prognoseberatung besteht in der Vorbereitung, Organisation und Moderation diverser Fort- und Weiterbildungsangebote der Klinik Nette-Gut. Hier sind insbesondere das alle sechs Monate stattfindende „Intervisionstreffen Forensischer Gutachter“, die hausinterne Veranstaltung „Forum Nette-Gut“ und die Fachtagung „Forensiktage Klinik Nette-Gut“ zu nennen, ebenso die in regelmäßigem Turnus stattfindende „Wissenschaftlich-Juristische Beratung“ der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen.
Letztlich ist die Stabsstelle „Prognostik“ als anerkannter Supervisor und Fachteamleiter für die in Ausbildung zum „Fachpsychologen für Rechtspsychologie BDP/DGPS“ befindlichen Kolleginnen und Kollegen der Klinik Nette-Gut tätig
