Kunsttherapie
Die künstlerisch-prozessorientierte Kunsttherapie in der Klinik Nette-Gut orientiert sich einerseits am klassischem Malatelier, fest integriert in den Stationsalltag und anderseits am alternativen „Raum“ außerhalb der Therapie. Das Atelier wird als eine Facette des klinischen Alltags gesehen, die behandlungsspezifische Funktionen erfüllt. Hier haben Patienten die Möglichkeit sich bildnerisch mit sich selbst auseinanderzusetzen, Zugang oder verbesserten Umgang zu den eigenen Gefühlen zu erlangen und daraus neue Lebensperspektiven zu entwickeln. Eine wichtige Motivation für Patienten ins Atelier zu kommen ist die Förderung des künstlerischen Ausdrucks und somit die Annäherung an eine Künstler- Identität.
Die Kunsttherapie wird in Einzeltherapie in der Gruppe und als Einzeltherapie angeboten. Den Künstlern stehen verschiedene Zeichenmaterialien und Malutensilien, wie z.B. Kohle, Acryl, Aquarell sowie plastische Gestaltungsmittel, wie Ton und Gipsbandagen zur Verfügung. Es besteht neben dem klassischen bildnerischen Mitteln die Möglichkeit zur Herstellung von Collagen.
Die Kunsttherapie bietet mehrere Behandlungsansätze, je nach Störungsbildern und individuellen Zielsetzungen. Folgende Zielsetzungen stehen dabei im Vordergrund:
- Verstehen und Unterstützung nonverbaler Kommunikation, wo Sprache als Ausdrucksmittel nicht zur Verfügung steht (frühe Störungen, Minderbegabung, Migrationshintergrund)
- Bildnerische Auseinandersetzung mit sich und den eigenen Taten (bewusst, vorbewusst, unbewusst)
- Zugang und verbesserter Umgang mit den eigenen Gefühlen (Angstabbau, Aggressionsbearbeitung)
- Entspannung/Beruhigung – Aktivierung/Anregung
- Ressourcenaktivierung
- Selbsterfahrung im Sinne eines "Ausprobieren"
- Förderung des künstlerischen Ausdrucks
- Förderung von Konzentration, Ausdauer und erhöhter Frustrationstoleranz
- Entgegenwirken von Hospitalisierung
- Diagnostische Hinweise/Hilfen
In der therapeutischen Praxis können Bilder Grundlage für Deutungen und das therapeutische Gespräch sein. Das Sprechen über das in der Kunsttherapie gestaltete Werk kann dem Patienten helfen, neue Perspektiven und Lösungsmöglichkeiten zu entdecken. Allerdings geht es dabei nicht in erster Linie darum, Bilder zu deuten oder Bilder in Worte zu übersetzen. Bilder lassen sich nicht einfach als Text lesen.
