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Forensiker fordern Änderung der Gesetzeslage

Forensiktage 2014: "Fall Mollath" beschäftigt Experten - Wer gehört tatsächlich in eine Forensische Klinik?

ANDERNACH. Der Maßregelvollzug muss reformiert werden. Besonders die Unterbringung von Straftätern, die beim Verüben ihrer Tat unter einer krankhaften Störung litten, muss verändert werden. Zu diesem Ergebnis kommen die rund 150 Fachleute, die an den 11. Forensiktagen der Klinik Nette-Gut teilgenommen haben. Ihre Forderungen trugen sie bei der abschließenden Podiumsdiskussion in den Konferenzräumen der Rhein-Mosel-Akademie in Andernach zusammen.

Eines der Hauptanliegen richtet sich an die Bundesgesetzgebung. Demnach müssen die Gesetze des Maßregelvollzugs deutlicher formuliert werden, um die Arbeit mit den Straftätern zu verbessern. Außerdem wollen die Tagungsteilnehmer erreichen, dass mehr Patienten ambulant betreut werden. Die Leitlinie "ambulante Behandlung geht vor stationärer" gelte nicht nur für die Akutpsychiatrie, sondern auch für die Forensik. Längst nicht alle Patienten in den Forensischen Kliniken Deutschlands gehörten auch dort hinein.

Diese Auffassung der Tagungsteilnehmer wird gestützt durch den "Fall Mollath", der die Diskussion um den Maßregelvollzug in den vergangenen Monaten entfachte. "Die Überlegungen reichen dabei von einer Überarbeitung der juristischen Voraussetzungen der Unterbringung, über die Verbesserung der Qualität von Prognosegutachten bis hin zu einer deutlich stärkeren Einbindung gemeindepsychiatrischer Strukturen", erklärt der Ärztliche Direktor der Klinik Nette-Gut, Wolfram Schumacher-Wandersleb.

Gerade die Verbesserung der ambulanten Strukturen liegt ihm am Herzen. "Gutachter bestätigen, dass bestimmte Patienten nicht in den Maßregelvollzug müssten, sondern lediglich in geschützte Umgebung", macht er in der abschließenden Podiumsdiskussion deutlich.

Die Tagungsteilnehmer stellten jedoch nicht nur Forderungen an Politik und Gerichte, sondern betrachteten auch ihre eigene Arbeit sehr kritisch. So müssten beispielsweise einheitliche Behandlungsleitlinien definiert werden.

Grundlegende Überlegungen stellte Jürgen Müller, Professor für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie  an der Georg-August-Universität Göttingen, an. Er gab zu bedenken: "Bevor man von Reform spricht, muss ein Kerndatensatz zur Verfügung stehen, mit dem in der Forensik gearbeitet werden kann. Wir haben 9000 stationäre Patienten in forensischen Einrichtungen in Deutschland, 3000 von ihnen sind länger als zehn Jahre untergebracht. Wenn sie so gefährlich sind, warum sollen wir sie behalten?"

Schumacher-Wandersleb, der die Forensiktage der Klinik Nette-Gut bereits seit der Premiere 2003 maßgeblich mit gestaltet, war am Ende sehr zufrieden mit dem Verlauf der zweitätigen Veranstaltung: "Es war eine sehr erfolgreiche Tagung. Wir haben mehrere konkrete Ideen formuliert, wie der Maßregelvollzug in Zukunft funktionieren kann. Diese Forensiktage lebten von der Vielfalt der Referenten. Ob Bürgerinitiative gegen Forensische Kliniken oder die polizeiliche Darstellung von Präventivmaßnahmen - jeder warf einen anderen Blickwinkel auf das Problem."

© Klinik Nette-Gut 2018 | Impressum | Datenschutz
Downoad Datei - Forensiktage_2014_-_Informationen_01.pdf

Forensiktage 2014 - Informationen
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